Körperarbeit in gemeinnützigen Einrichtungen
Uns Bodyworkerinnen und Bodyworkern ist klar: Berührung berührt. Nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Berührung schenkt Zuversicht, beruhigt und entspannt. Sie stärkt das Selbstbewusstsein, die Verbindung zu sich selbst und zu anderen Menschen. Und sie unterstützt das Immunsystem, reduziert Stress und beugt Krankheiten vor.
Manchmal, gerade wenn Menschen zu wenig oder grenzüberschreitende Berührungen erfahren haben, ist der Zugang zu Berührungen nicht leicht. Dennoch ist die Sehnsucht da – es braucht nur mehr Langsamkeit, mehr Sensibilität und einen sicheren Kontakt für die Annäherung.
Trotz dieser vielen positiven Effekte von Berührung bleibt sie häufig auf bestimmte Kreise beschränkt: Im Netzwerk Berührung e.V. treffen Bodyworker/innen aufeinander, die im Rahmen ihrer Selbstständigkeit anderen Menschen Berührung schenken. In sozialen und gemeinnützigen Einrichtungen dagegen gibt es in der Regel kaum körperorientierte Angebote.
Doch das kann sich ändern – und Du kannst ein Teil dieser Veränderung sein.
Erfahrungen aus einem Projekt in Dresden
Als im Jahr 2022 meine Kooperation mit einer gemeinnützigen Einrichtung in Dresden begann, ahnte ich nicht, welche wichtigen Erfahrungen auf mich warteten.
Drei Jahre lang leitete ich als selbstständige Honorarkraft Gruppen zu traumasensibler Körperarbeit in der Einrichtung. Anfangs war es schwer, Frauen für diese Angebote zu gewinnen. Viele zögerten zunächst, einen Kurs zu buchen. Doch schon während des ersten Workshop-Tags verwandelte sich die Skepsis in der Regel in Begeisterung. Und am Ende der dreiteiligen Workshop-Reihe wollten fast 100 % der Teilnehmerinnen die Arbeit fortsetzen.
Die Frauen lernten und erfuhren etwas, was sie bisher nicht kannten. Denn in der Begleitung ihrer Prozesse lag der Fokus bislang in der Regel auf der kognitiven Arbeit. Nun standen sie an einem Punkt, an dem sie sich für die emotionale und die körperliche Ebene öffneten. „Die traumasensible Körperarbeit tut so gut. Warum gibt es sie nicht überall im Hilfesystem?“, fragte eine der Frauen immer wieder. Ich konnte ihr die Frage leider nicht beantworten…
Eine Sozialarbeiterin, die eine Fortbildung zum Thema besuchte, brachte es auf ihre Weise auf den Punkt: „Die traumasensible Körperarbeit ist so wertvoll. Das muss in die Welt!“
Dass diese körperorientierten Angebote eine Lücke in der Hilfelandschaft in Dresden schlossen, war ein Vorteil, von dem die Frauen profitierten. Doch es gab noch einen weiteren, wichtigen Aspekt, der in meiner Kooperation mit der sozialen Einrichtung eine wichtige Rolle für die Frauen spielte:
Gemeinnützige Vereine können Drittmittel, wie z.B. Fördermittel und Spenden, akquirieren.
Von diesen Geldern konnte mir als Fachkraft ein wertschätzendes Honorar gezahlt werden. Und gleichzeitig konnten die Frauen, die die Kurse besuchten, dies zu gemeinnützigen Preisen tun: Es gab immer einen Normalpreis, einen ermäßigten Preis und einen Preis für Frauen im Bürgergeldbezug. Dadurch konnten alle Frauen unabhängig von ihrem Einkommen die traumasensible Körperarbeit in Anspruch nehmen.
Vorteile für Fachkräfte und Bodyworker/innen
Doch nicht nur Menschen, welche die körperorientierten Angebote besuchen, profitieren von der Kooperation von Bodyworker/in und gemeinnütziger Einrichtung. Auch für Dich als Bodyworker/in bringt die Zusammenarbeit viele Vorteile:
Aktuell ist Körper- und Berührungsarbeit noch ein Randthema in unserer Gesellschaft. In entsprechenden Kreisen wird diese Expertise geschätzt, doch in der Mitte unserer Gesellschaft findet sie kaum Anerkennung.
Bietest Du Deine eigene Berührungsarbeit in einer gemeinnützigen Einrichtung an, welche seit 10, 20 oder 30 Jahren etabliert ist, verändert sich dieser Status. Allein die Präsenz auf der Website und in den Newslettern der Einrichtung steigert die Anerkennung Deiner Arbeit. Wenn solch eine etablierte Einrichtung Körper- und Berührungsarbeit in ihr Programm aufnimmt, dann kann dies – so die Außenwahrnehmung – nur gut sein.
Außerdem verfügen Einrichtungen, welche seit vielen Jahren oder Jahrzehnten bestehen, über umfangreiche Netzwerke zu anderen Vereinen, Therapeut/innen, Ärzt/innen, Pfleger/innen, Krankenhäusern und sogar zu politischen Gremien. Gehst Du eine Kooperation mit einer Einrichtung ein, dann entsteht automatisch ein Zugang zu diesen Netzwerken und somit zum Hilfesystem. Deine Reichweite erweitert sich also um ein Vielfaches.
Und gleichzeitig kannst Du während deiner Arbeit in der Einrichtung in Deine eigenen Kreise weiterempfehlen – zu anderen Berührungs-Anbietenden, deren Angebote Dein Angebot ergänzen. Dadurch ist Berührungsarbeit auf einmal kein Randthema mehr, sondern Teil des bestehenden Hilfesystems.
Werde Teil des Projekts „Mehr Berührung in sozialen Einrichtungen“
Mit unserem Projekt „Mehr Berührung in sozialen Einrichtungen“ wollen wir als Netzwerk Berührung e.V. Körper- und Berührungsarbeit weiter verbreiten. Und als Bodyworker/in kannst Du ein Teil davon werden.
Wie Du aktiv werden kannst?
Nimm Kontakt zu einer gemeinnützigen Einrichtung auf und biete an, Deine Körper- und Berührungsarbeit dort einzubringen. In Hebammenpraxen, Kindergärten, Schulen, Begegnungszentren, Wohnheimen, Krankenhäusern, Altenheimen bis hin zum Hospiz gibt es überall Menschen, die bislang wenig oder keinen Zugang zu Berührung haben. Dafür braucht es Dich mit Deiner Berührungsexpertise.
Aus diesem ersten Kontakt kann mit der Zeit vielleicht eine Kooperation entstehen, die alle Seiten – Berührungsempfangende, Bodyworker/in, soziale Einrichtung – bereichert. Und sie wird weiter wirken – bis in das bestehende Hilfesystem.
Dieser Weg beginnt mit einem ersten Schritt von Dir – wir freuen uns, wenn Du dabei bist. Solltest Du Fragen haben oder möchtest Du mit einem ersten Projekt beginnen, schreib gerne eine Mail an dorothea@netzwerk-beruehrung.de
Dorothea Ristau ist 2. Vorsitzende und Projektkoordinatorin im Netzwerk Berührung e.V. Nachdem sie drei Jahre lang ihre eigene traumasensible Körperarbeit in einer gemeinnützigen Einrichtung in Dresden angeboten hat, möchte sie nun Netzwerk-Mitglieder ermutigen, die eigene Berührungsexpertise im Rahmen des Projektes „Mehr Berührung in sozialen Einrichtungen“ in eine gemeinnützige Einrichtung vor Ort zu tragen.
Möchtest du das Vorhaben finanziell unterstützen?
Zusätzlich zu Deiner Mitgliedschaft kannst Du das Projekt mit einem Förderbeitrag in Höhe von 12 €, 24 €, 60 € oder 120 € pro Jahr unterstützen.

Spende
Per Spende kannst Du einmalig oder regelmäßig helfen.
Bankverbindung
Netzwerk Berührung
IBAN: DE12 4401 0046 0396 0764 67
Verwendungszweck: Spende „Mehr Berührung in sozialen Einrichtungen“
Bei Online-Einkäufen spendest Du unkompliziert – ohne Anmeldung und ohne zusätzliche Kosten für Dich.



